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Familienhebamme: Wer Anspruch hat und wie sie hilft

Aktualisiert am 5. November 20266 Min. LesezeitFachliche Prüfung durch eine Hebamme steht noch aus

Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt und von unserer Redaktion anhand der unten genannten Quellen geprüft. Die fachliche Prüfung durch eine Hebamme folgt. Er ersetzt keine Beratung durch deine Hebamme oder Ärztin. Im Notfall: 112.

Kurz gesagt: Eine Familienhebamme ist eine Hebamme mit Zusatzqualifikation, die Schwangere und Familien in belastenden Lebenslagen begleitet, ab der Schwangerschaft bis zum ersten Geburtstag des Kindes. Das Angebot gehört zu den Frühen Hilfen, ist freiwillig und kostenlos und braucht keinen Antrag. Du findest sie über die Anlaufstelle Frühe Hilfen deiner Kommune, die Suche auf elternsein.info, deine Hebamme oder deine Frauenärztin.

Manchmal ist mehr los, als eine Wochenbettbetreuung auffangen kann. Du bist sehr jung oder allein, das Baby schreit viel, Geld ist knapp, die Erschöpfung wird nicht weniger. Für solche Situationen gibt es die Familienhebamme. Viele Eltern haben noch nie von ihr gehört, und manche haben Sorge, was es bedeutet, sie anzufragen. Hier findest du die Antworten.

Was ist eine Familienhebamme?

Familienhebammen sind staatlich examinierte Hebammen mit einer Zusatzqualifikation für die Arbeit in den Frühen Hilfen. Die Weiterbildung folgt bundesweit einheitlichen Qualitätsstandards, die das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) mit den Ländern entwickelt hat. Neben Familienhebammen gibt es Familien-Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen und -pfleger (kurz FGKiKP), die eine vergleichbare Aufgabe haben.

Ihre Kernaufgabe ist eine längerfristige, aufsuchende Begleitung. Sie kommt also zu dir nach Hause, über viele Monate.

Was macht eine Familienhebamme?

  • Begleitung zu Hause: Sie besucht dich regelmäßig und schaut, wie es dir und deinem Baby geht.
  • Anleitung: Sie gibt Informationen zu Pflege, Ernährung, Entwicklung und Förderung deines Kindes.
  • Begleitung zu Terminen: Sie kann dich zu Ärztinnen oder Behörden begleiten.
  • Lotsin: Wenn du mehr oder andere Hilfe brauchst, hilft sie dir, ein passendes Angebot zu finden, etwa eine Erziehungsberatungsstelle, psychologische Hilfe, eine Schreiambulanz oder eine Beratung bei Geld- oder Suchtproblemen.

Für wen ist die Familienhebamme da?

Die Frühen Hilfen stehen grundsätzlich allen Familien mit Kindern bis drei Jahre offen, richten sich aber vor allem an Familien in belastenden Situationen. Laut NZFH kannst du dich melden, wenn du dich unsicher, überfordert oder gestresst fühlst. Das gilt auch bei besonderen Belastungen, etwa wenn du alleinerziehend oder sehr jung bist.

Weitere Situationen, in denen Familien sich oft Unterstützung holen:

  • Das Baby schreit sehr viel oder lässt sich schwer beruhigen.
  • Es gibt Konflikte in der Partnerschaft.
  • Du bist körperlich oder seelisch erschöpft.
  • Dein Kind ist zu früh geboren oder krank.
  • Du hast wenig Familie oder Freundinnen in der Nähe.

Du musst keine bestimmte Bedingung erfüllen und nichts beweisen. Ein Gespräch mit der Anlaufstelle klärt, ob die Familienhebamme oder ein anderes Angebot am besten passt. Auch Angehörige und Bekannte können sich an die Frühen Hilfen wenden, wenn sie sich um eine Schwangere oder junge Mutter sorgen.

Was kostet eine Familienhebamme?

Nichts. Die Betreuung ist eine Leistung der Frühen Hilfen und wird aus Mitteln von Bund, Ländern und Kommunen finanziert. Rechtliche Grundlage für die Bundesförderung ist § 3 Absatz 4 des Gesetzes zur Kooperation und Information im Kinderschutz (KKG), umgesetzt wird sie seit 2018 über die Bundesstiftung Frühe Hilfen. Die Krankenkasse ist nicht beteiligt, und laut NZFH bekommst du die Begleitung ohne Antrag. Ob sie in deiner Kommune auch ohne Krankenversicherung möglich ist, erfährst du bei der örtlichen Anlaufstelle Frühe Hilfen.

Familienhebamme oder Nachsorgehebamme?

Die beiden Angebote ergänzen sich. Sie ersetzen sich nicht.

Nachsorgehebamme Familienhebamme
Zeitraum Wochenbett bis Ende der 12. Lebenswoche, danach bei Stillproblemen Schwangerschaft bis 1. Geburtstag des Kindes
Schwerpunkt medizinische Betreuung von Mutter und Baby Begleitung in belastenden Lebenslagen
Bezahlt von Krankenkasse (Hebammenhilfevertrag) Frühe Hilfen (Bund, Länder, Kommunen)
Zugang freie Suche, Anfrage bei Hebammen über Anlaufstelle Frühe Hilfen
Für wen alle Versicherten vor allem Familien mit Unterstützungsbedarf

Ist die Familienhebamme freiberuflich tätig, kann sie dich grundsätzlich auch als normale Hebamme betreuen. Das ist aber nicht überall möglich. In manchen Kommunen übernehmen zwei verschiedene Personen diese Aufgaben. Deine Nachsorgehebamme suchst du deshalb trotzdem selbst. Wie das geht, steht unter Nachsorgehebamme und im Leitfaden Hebamme finden.

Wer ist zuständig?

Die Frühen Hilfen werden regional organisiert, meist von den Jugendämtern koordiniert. Je nach Ort sind die Familienhebammen aber an unterschiedlichen Stellen angesiedelt: beim Jugendamt, beim Gesundheitsamt oder bei freien Trägern wie Wohlfahrtsverbänden und Familienzentren. Deshalb heißt die Anlaufstelle auch nicht überall gleich.

Und das Jugendamt?

Viele Eltern zögern, weil „Jugendamt“ nach Kontrolle klingt. Wichtig zu wissen: Die Frühen Hilfen sind freiwillig. Laut NZFH gibt eine Familienhebamme vertrauliche Informationen nur weiter, wenn du einverstanden bist. Eine Ausnahme regelt § 4 KKG: Sieht eine Hebamme gewichtige Anhaltspunkte dafür, dass das Wohl eines Kindes gefährdet ist, soll sie das zuerst mit dir besprechen und auf Hilfen hinwirken. Das Jugendamt darf sie erst informieren, wenn sich die Gefahr so nicht abwenden lässt oder dringend ist, und in der Regel sagt sie dir das vorher.

So findest du eine Familienhebamme

  • Online-Suche: Auf elternsein.info, der Elternseite des NZFH, gibt es eine Suche nach Anlaufstellen der Frühen Hilfen nach Ort oder Postleitzahl.
  • Website deiner Stadt oder deines Landkreises: unter „Frühe Hilfen“, „Jugendamt“ oder „Gesundheitsamt“.
  • Deine Hebamme oder Frauenärztin: Sie kennen die Angebote vor Ort und können den Kontakt herstellen.
  • Geburtsklinik oder Kinderarztpraxis: Viele arbeiten mit den Netzwerken Frühe Hilfen zusammen.
  • Schwangerschaftsberatungsstelle: Sie berät kostenlos und vermittelt weiter.

Wenn du erst einmal mit jemandem sprechen möchtest: Das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer erreichst du kostenlos und anonym unter 0800 111 0 550.

Wenn es dir gerade nicht gut geht

Erschöpfung und Traurigkeit nach der Geburt sind häufig, aber sie können auch Zeichen einer Wochenbettdepression sein. Die Familienhebamme kann dich auffangen, ersetzt aber keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.

Sofort Hilfe holen:

  • Wenn du Gedanken hast, dir oder deinem Kind etwas anzutun: Ruf 112 oder fahr in die nächste Klinik.
  • Rund um die Uhr erreichbar und anonym: TelefonSeelsorge 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.
  • Wenn du Gewalt erlebst: Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen 116 016.

Mehr dazu im Artikel Wochenbettdepression: Anzeichen und Hilfe.

Gut zu wissen

Dieser Artikel ersetzt keine persönliche Beratung durch deine Hebamme oder Ärztin. Die Angebote der Frühen Hilfen unterscheiden sich je nach Kommune. Frag bei der Anlaufstelle vor Ort, was es bei dir gibt.

Unabhängig davon brauchst du für das Wochenbett eine Hebamme, die die Kasse bezahlt. Auf hebi siehst du, welche Hebammen in deiner Nähe im Monat deines Termins noch Zeit haben, und kannst mehrere mit einer Anfrage erreichen. Hebamme in deiner Nähe finden

Häufige Fragen

Was kostet eine Familienhebamme?

Nichts. Die Betreuung durch eine Familienhebamme ist ein Angebot der Frühen Hilfen und wird von Bund, Ländern und Kommunen finanziert. Du brauchst dafür keinen Antrag.

Wird das Jugendamt eingeschaltet, wenn ich eine Familienhebamme habe?

Die Frühen Hilfen sind freiwillig, und die Familienhebamme gibt vertrauliche Informationen nur mit deinem Einverständnis weiter. Die Angebote werden oft vom Jugendamt koordiniert, das heißt aber nicht, dass das Jugendamt in deine Familie schaut. Nur bei einer ernsten Gefährdung des Kindes gelten besondere Regeln.

Wie lange begleitet mich eine Familienhebamme?

Ab der Schwangerschaft bis zum ersten Geburtstag deines Kindes. Danach kann sie dich bei Bedarf an andere Angebote weitervermitteln, etwa an eine Familien-Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin, die in manchen Kommunen auch länger begleitet.

Kann ich eine Familienhebamme statt einer Nachsorgehebamme bekommen?

Das ist nicht dasselbe. Die Nachsorge im Wochenbett zahlt die Krankenkasse, die Familienhebamme kommt zusätzlich über die Frühen Hilfen. Ist die Familienhebamme freiberuflich, kann sie manchmal beides übernehmen, das ist aber nicht überall möglich.

Quellen

  1. elternsein.info (Nationales Zentrum Frühe Hilfen): Was machen Familienhebammen?
  2. elternsein.info (NZFH): Was sind Frühe Hilfen?
  3. Nationales Zentrum Frühe Hilfen: Gesundheitsfachkräfte in den Frühen Hilfen
  4. gesund.bund.de: Unterstützung für Familien nach der Geburt (Stand 24.07.2025)
  5. Familienportal des BMBFSFJ: Frühe Hilfen für Schwangere und Eltern mit Kindern bis 3 Jahre
  6. § 3 Gesetz zur Kooperation und Information im Kinderschutz (KKG)
  7. § 4 Gesetz zur Kooperation und Information im Kinderschutz (KKG): Beratung und Übermittlung von Informationen bei Kindeswohlgefährdung